| Vordenker der Abkassiererkultur
Maulkorb für die «Chiemseepost»: Zeitung darf Alois Glück nicht mehr «Abkassierer» nennen |
|
| Richter Walter Weidenkaff am Oberlandesgericht in
München unterbrach den in Berufung klagenden Klaus Kirchleitner im Gerichtssaal: "Von dem
Augenblick an, wo Sie was sagen, wird es teuer." Dann empfahl Weidenkaff ihm
dringend, die Berufung zurückzunehmen: Der Vorwurf sei
"außerordentlich schwerwiegend", aber nicht durch Tatsachen gedeckt.
Kirchleitner zog die Berufung zurück. SZ, 14.7.2004, S. 44 Alois Glück, CSU, darf man nicht als «Vordenker der Abkassierkultur» bezeichnen. |
|
| Maulkorburteil: Das in mehreren Chiemseegemeinden
zwischen Breitbrunn und Seebruck erscheinende Monatsblatt
«Chiemseepost» darf den Landtagspräsidenten und Chef der
Oberbayern-CSU, wohnhaft in Hörzing, Landkreis Traunstein, Alois Glück, nicht länger als
«Vordenker der Abkassierkultur» bezeichnen. Dies entschied jetzt
das Landgericht Traunstein. Siehe auch |
|
| Der
Herausgeber eines Anzeigenblattes im Chiemgau darf Alois Glück, CSU, MdL, nicht mehr als
"Vordenker der Abkassiererkultur" bezeichnen. Die Sechste Zivilkammer am
Landgericht Traunstein bestätigte gestern eine einstweilige Verfügung
Glücks gegen diese und ähnliche Formulierungen. OVB, 24.3.2004, S. 10 Damit muss man in der Meinungsäusserung über Politiker noch vorsichtiger sein, wenn man nicht zahlen will. Bald wird man nicht mehr öffentlich sagen dürfen, dass sie sich ihre Gehälter und Altersvorsorge selbst festsetzen und genehmigen. (Nur ein Beispielssatz, ich habe dies hiermit weder behauptet noch gemeint). Ich meine daher:
|
|
| Mit diesem Urteil erhält die
Meinungsfreiheit einen weiteren schweren Schlag. 1. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die Landtagsabgeordneten im Verhältnis zur Leistung überbezahlt sind. a) Die Landtagsabgeordneten kassieren mächtig und ich als Bürger habe ausser Kürzungen davon wenig. Ja, per Bayerischer Verfassung, Art. 13 (2), (auf Bundesebene ist es ähnlich) sind sie sogar dem einzelnen Bürger nicht verpflichtet. b) Die Landtagsabgeordneten beschliessen ihre Gehälter direkt oder indirekt selbst; davon kann der Normalbürger nur träumen. c) Sie nehmen sich mit steuerfreien Beträgen vom komplizierten Einkommensteuerverfahren, dem sich jeder Bürger zu unterwerfen hat aus und d) Sie kassieren auch beträchtliche Nebeneinnahmen: Aufsichtsratssitze, Gremien usw. Laut Bayerischer Verfassung (Art. 31) haben sie beispielsweise freie Fahrt auf allen staatlichen Verkehrseinrichtungen in Bayern. 2. Vor kurzem wurden Beleidigungsklagen gegen Martin Hohmann, Ex-CDU, ( 3. Vor allem wundere ich mich über die Mentalität unserer Politiker. Sie stürzen ganz Deutschland in eine Wirtschaftskrise, kürzen gerade bei den sozial Schwächsten und bei der Bildung, kassieren aber ihre Gehälter weiter und prozessieren dann gegen die Presse oder gar gegen Bürger, die eine falsche Haarfarbe nennen. Das vergleiche man bitte mit dem Sachverhalt unter 2. Jedenfalls steht fest: die Politiker habe viel Zeit. Statt souverän über solchen belanglosen Dingen zu stehen und ihre Zeit dafür aufzuwenden, dass wirkungsvoll etwas gegen die Arbeitslosigkeit und Bildungsmisere getan wird, verbringen sie ihre Zeit mit dem Verfassen von Klagen wegen Meinungsäusserungen. |
|
| Wichtiger Nachtrag, da Alois
Glück, CSU, dem Chiemseeboten Herausgeber und anderen Kritikern an den
Gehältern, Diäten, Zusatzeinnahmen, Etatpolitik des Landtags indirekt
recht gab. Alois Glück (und jetzt zitiere ich ihn, habe also hoffentlich
dafür nicht den Meinungs-Staatsanwalt am Halse) sagte zum Auftakt des CSU
EU-Wahlkampfs in Westerndort St. Peter: "Wir haben
jahrelang mehr ausgegeben als eingenommen." Mit "wir" kann Glück nicht den Bürger meinen, da die meisten Bürger nur das ausgegeben können, was sie einnehmen. Mit "wir" klagte Glück also die Politiker im Landtag (und Bundestag) an. Der Landtag (ich erinnere: jahrelang dominiert von der CSU) hat mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Er hat also künftigen Generationen etwas weggenommen. Glücks Einsicht kommt etwas spät. Weitere |