Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Literaturzensur
Literaturzensur in Deutschland
"Bald jeder Narr weiß inzwischen, daß die Selbstzensur das eigentliche Problem der Zensur ist. Die Selbstzensur macht die Zensur, den Eingriff von außen, überflüssig. Funktioniert sie total, kommt die Zensur denkgesetzlich gar nicht mehr vor. Der Verfassungssatz »Eine Zensur findet nicht statt« würde formal voll erfüllt, weil eine Notwendigkeit zum Eingriff gar nicht mehr vorkommt." Klaus Staeck, Rechtsanwalt, Plakatemacher: Mut zur Meinung, 1980, zitiert nach Bernd Ogan, Hg. Literaturzensur in Deutschland, Stuttgart 1988.
zensurAffären um Gastrokritikerzensur Angegriffene Literaturzensur Verbrannte Bücherruf Der Rufzensur Zensierte Bücher
 zensur Sachliteratur zur Zensurgrafe Roman Grafe: Deutsche Gerechtigkeit
wille Oberstaatsanwalt Heinrich Wille erhält Vermarktungsverbot

Joseph Ratzinger aka Papst Benedikt XVI. läßt Satiremagazin Titanic zensieren
... und zieht den Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Titanic zurück
Joseph Ratzinger aka Papst Benedikt XVI. erzwang durch eine Bonner Rechtsanwaltskanzlei eine eine einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin "Titanic". Das Magazin darf nicht mehr den Papst mit einem großen gelben Fleck vorne und einem braunen Fleck hinten auf der Soutane auf Titelbild und Rückseite zeigen, wie es für die aktuelle Ausgabe geschah. Das Landgericht Hamburg verhängte diese Zensurmassnahme und bewertete damit das Persönlichkeitsrecht Ratzingers höher als die Kunst- und Meinungsfreiheit.
Das Satiremagazin "Titanic" beugte sich der Androhung eines Ordnungsgeldes von 250.000 €.
Für die Titanic zahlte sich das Manöver des Vatikans aus: das Heft erhielt ca. 2000 neue Abonnenten.
Vatileaks Nach Klage des Heiligen Vaters: "Titanic" zieht Papst-Titel zurück, Stern.de 10. Juli 2012 – Vatileaks"Titanic" befolgt einstweilige Verfügung. Papst bleibt unbefleckt, n-tv, 10. Juli 2012 – Satire der Saison, SZ, 31.8.2012, S. 31
Nie mehr einen Cent oder mehr an den WWF spenden!
Letzte Woche stand ein Spendensammler vor meiner Haustür. Für den WWF habe ich schon öfters gespendet, aber nachdem der WWF eine Buchzensur veranlasst hat: nie wieder!
Dem Sammler gab ich gleich Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF als Grund dafür an.
Vorgeschichte in wwf Angegriffene Literatur nachlesen.
Auf gerichterliche Anordnung müssen in einer Neuauflage von Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF einige Passagen des Werks gestrichen werden. Diese Zensur wurde vom WWF veranlasst. Die FAZ schrieb am 2. Juni 2012: WWF"WWF drängt kritisches Buch vom Markt"
WWFSchwarzbuch WWF und kein Ende, Börsenblatt 1. Juli 2012
Autor Wilfried Huismann siegt teilweise juristisch gegen WWF
Teilweise setzte sich doch die Meinungsfreiheit gegen die Zensoren vom WWF durch. Der WWF ging auch gegen den Film der ARD vom Autor Huismann "Der Pakt mit dem Panda" vor. Das Landgericht Köln nahm einige einstweilige Verfügungen gegen den Autor und seinen Film zurück. In einer kürzeren Filmfassung (!) müssen jedoch zwei Sätze geändert werden. Die Kosten des Verfahrens trägt der WWF. So geht dieser mit den Spendengeldern um!
"Unverändert. Autor Wilfried Huismann siegt juristsich gegen WWF", SZ, 15.10.2012, S. 37
bei amazon nachschauen
Huismann HuismannWilfried Huismann: Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda. Gütersloh: Gütersloher, 2012. Gebunden, 256 Seiten

Einstweilige Verfügungen mit der Folge von Bücherverboten immer häufiger
AbmahnungFragen an Rechtsanwalt Richard Hahn - "Es gibt Urteile, die den Buchhandel weitgehend schützen", Börsenblatt 24.02.2011
Anja Ohmer: "Literatur vor Gericht: Zensur in Deutschland". Wespennest 134:2, 2004. S. 2-7. Verfügbar als Wespennestpdf.
Gerne im Rampenlicht wenn's nützt, – ansonsten droht Klage
Die Hamburger Morgenpost berichtete über die ARD-Moderatorin Monica Lierhaus. Diese klagte dagegen und bekam recht. Das Hamburger Landgericht wertete die Persönlichkeitsrechte der im Rampenlicht stehenden Moderatorin höher als Artikel 5 mit Meinungs- und Pressefreiheit. Die Hamburger Morgenpost muss 25.000 Euro Entschädigung zahlen. SZ, 19.1.2010, S. 15 -
Da ich eine Klage oder gar Abmahnung scheue linke ich nicht direkt auf den Webauftritt der Moderatorin sondern gebe nur die URL in Worten:  dreimal w, Punkt, monica minus lierhaus, Punkt, de.

Der Freistaat Bayern unterliegt mit seiner Zensur von NS Schrifttum
Der Staat Bayern hat das Copyright an vielen NS-Schriften. Er widersetzte sich bislang einer kritischen Aufbereitung und Veröffentlichung. Damit wurde den Rechtsradikalen zugearbeitet, die das Veröffentlichungsverbot für ihre Zwecke ummünzten.  Das Münchner Landgericht gestattete nun Faksimiles vom Völkischen Beobachters und vom Angriff zu drucken und in Deutschland zu verkaufen. Allerdings nur Pressewerke bis 1939, da das deutsche Copyright eine 70 Jahresfrist kennt.  SZ, 26.3.2009, S. 5
Die Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) setzte sich mit ihrem unfreiheitlichen Zensurbegehren gegen den Evangelischen Pressedienst (epd) nicht durch. Das OLG Frankfurt bewertete das Grundrecht auf Meinungsfreiheit höher als den Dünkel der Wochenzeitung Junge Freiheit. Der epd darf weiterin eine Meinung des Politikers Alfred Hartenbach, SPD, über die JF verbreiten.
SZ, 27.2.2009, S. 15
Die Schauspielerin Jessica Schwarz setzte eine Zensur gegen die Frankfurter Rundschau durch. Die Zeitung darf nicht mehr behaupten, dass die Schauspielerin Bestimmtes (wird hier nicht wiederholt, sonst kann ich abgemahnt werden) über den Regisseur Heinrich Breloer gesagt habe. Die FR- Online brachte am 30.12.2008 eine Richtigstellung. SZ, 31.12.2008, S. 19
Wieder wurde in Deutschland ein Buch zensiert
Georg Herbstritt: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie aus dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht darf nicht ausgeliefert werden. Ein Ehepaar sah seine Persönlichkeitsrechte verletzt und schwupp wurde das Buch durch eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg zensiert. SZ 22.2.2008, S. 16
Darf nicht mehr ausgeliefert werden!
ddr HerbstrittGeorg Herbstritt: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht 2007. Gebunden, 459 Seiten
Besprechungen: stasiBStU Analysen und Dokumente - Wissenschaftliche Reihe der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
stasilife PR
stasiPerlentaucher
stasiSehepunkte
Woanders werden Die satanischen Verse und der Film "Da Vinci Code" verteufelt, in Deutschland trifft es Autoren von Kinderbüchern.
Anfang Juni 2007 forderte Edmund Stoiber, CSU, bekannt für seine intoleranten Stammtischreden, eine Verbannung der Bücher des Kinderbuchautors Janosch – „falscher Prophet“ – aus den Kinderzimmern. Dies zeigt u.a.
  • die Verlogenheit unserer Politiker: Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber verlieh bei einer TV-Gala den Bayerischen Fernsehpreis 2006. Dazu wurde verlautbart:
    "Seit fast zehn Jahren haben sich die von Janosch genial konzipierten Figuren „Tigerente“ und „Günter Kastenfrosch“ ein großes Stammpublikum bei den ganz jungen Zuschauern erobert. [...] In der wöchentlichen Sendung [...] werden [...] die Neugier und Aufgeschlossenheit von Kindern für vielfältige Inhalte geweckt, indem sie auf unterschiedlichste Weise mit Themen aus Bildung, Kultur, Wissenschaft und Politik in Berührung kommen."
    stoiberPM Bayerische Staatskanzlei 19. Mai 2006
  • dass Kritik der christlichen Kirche und Riten in Bayern weiterhin geächtet wird. Anlass für Stoibers Attacke soll die kirchenkritische Zeichnung „Taufe“ des Autors Janosch sein.
  • dass auch in Bayern mißliebige Autoren – ähnlich wie Salman Rushdie (rushdie Zensur gegen Sir Ahmed Salman Rushdie) in anderen verbohrten Kulturkreisen – mit Verbannung und Zensur bedacht werden.
Vielleicht will sich ja der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, der im Herbst 2007 beide Ämter wider Willen abgeben wird, zur Krönung seiner "Karriere" auf eine Stufe mit Ajatollah Chomeini und dessen berühmten Todesurteil gegen Rushdie stellen.
stoiberStoiber greift Zeichner Janosch an, RP Online 9.6.2007 – stoiberStoiber attackiert Janosch, hpd, 9.6.2007
Der Kinderbuchautor Janosch ließ sich nicht einschüchtern und übertrug seine gesamten Werkrechte auf die Giordano Bruno Stiftung. Er empfand den Angriff gerade von Stoiber als besonders ehrenvoll: „Ich habe mich unglaublich gefreut, von einem so enorm ‚schwergewichtlichen' Politiker wie Herrn Sträuber überhaupt wahrgenommen und damit wohl als bedeutend anerkannt zu werden.“
stoiberJanosch: "Grüß Gott, Herr Stoiber!", 14.6.2007 – stoiberGiordano Bruno Stiftung
Die Razzia in der Redaktion des Magazins Cicero in Potsdam im September 2005 war verfassungswidrig! Das Grundrecht der Pressefreiheit wurde dabei verletzt, urteilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe: Az. 1 BvR 538/06, 1045/06. SZ, 28.2.2007, S. 1, 2
So ein nachträgliches Urteil hat nur symbolischen Wert. Der verfassungsverletzende Innenminister Otto Schily (auch sonst ein mehrfacher schily Gegner des Grundgesetzes), SPD, bleibt AFAIK unbelangt.
Das Pikante an solchen Aktionen: es werden nicht die undichten Geheimnisträger belangt (also der oder die Verursacher für den vermuteten Geheimnisverrat) sondern die sogenannte "freie" Presse wird durchsucht und oft angeklagt.
Der Satirezeitschrift Titanic wurde es untersagt, das neueste Heft vom 4.7.2006 zu vertreiben. Der SPD Vorsitzende und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Kurz Beck erwirkte diese Zensur. Er wird auf dem Titel der Titanic abgebildet, ausserdem die Schlagzeilen (auf den kürzlich geschossenen Bären in Bayern abzielend): "Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!". Beck folgerte anscheinend, dass mit Bestie er gemeint sei und erwirkte eine einstweilige Verfügung.
SZ, 4.7.2006, S. 15; beckTitanic
Das Bundesfamilienministerium stellte bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien einen Zensurantrag gegen Autonome in Bewegung, das bereits 2002 erschienen ist. Das Ministerium beanstandet an diesem historischen Überblick der autonomen Szene in Berlin seit 1980 (Hausbesetzungen, Aktionen zum IWF- Gipfel 1988, Anti-AKW Kampagnen usw) vor allem Zitate.
Bei Amazon nachschauen Der Verlag AutonomeAssoziation A fordert, diesen Zensurversuch zu verurteilen.
junge Welt 23.05.2006, S. 13
autonome Grauwacke A.G. Grauwacke, Hg.: Autonome in Bewegung. Aus den ersten 23 Jahren. Berlin: Assoziation a, 2004. Broschiert, 408 Seiten. 2., unveränderte Auflage
Jörg Ziercke, BKA, und Otto Schily, SPD, stehen mitten in einem Skandal um die verletzte Pressefreiheit. Hintergrund der Affäre um das Magazin Cicero (siehe nachfolgenden Eintrag) ist ein vermutetes "Leck" im BKA. Statt nun (das würde wohl jeder Vernünftige tun) im BKA zu suchen, wurde eine private Redaktion durchsucht. Ziercke: "Ich dulde keine Form des Geheimnisverrats beim BKA." 200 BKA-Personen hatten Zugriff auf die Unterlagen, von deren Sachverhalte das Magazin Cicero berichtete. SZ, 14.10.2005, S. 4, 6; SZ, 15.10.2005, S. 10.
Die Staatsanwaltschaft durchsuchte die Redaktion des politischen Magazins Cicero (Cicero - Magazin für politische Kultur) und die Wohnung des Cicero-Redakteurs Bruno Schirra auf der Suche nach der Quelle für einen Bereicht über al-Kaida. SZ, 13.9.2005, S.19 und 14.9.2005, S. 35 Bruno Schirra machte sich einst unbeliebt, da er den Leuna-Skandal untersuchte (zensur Verkauf der Leuna-Raffinerie), beim Verfassungsschutz recherchierte (zensur Von den Geheimdiensten Deutschlands) und dann wagte, über beides zu schreiben.
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Schirra schirraThomas Kleine-Brockhoff, Bruno Schirra: Das System Leuna. Reinbek: Rowohlt, 2001. Broschiert Schirra
Bruno Schirra : Otto John. Hamburg: Hörbuch, 2002. 1 CD-Audio schirra
Claudia Martini, Referentin der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Marieluise Beck, erklärte Rainer Moritz, Chef des Hamburger Verlags Hoffmann und Campe, die Aufgaben ihrer Behörde. Eines der Ziele sei es, "zu einem spannungsfreien Zusammenleben zwischen Zuwanderern und Einheimischen, zwischen Minderheiten und Mehrheiten beizutragen". Deswegen müsse "empfohlen" werden, von einer weiteren Veröffentlichung der Benjamin-CD (benjamin Walter Benjamin: Aufklärung für Kinder) "abzusehen". Der Text enthalte eine "quasi mythische Darstellung der Situation von so genannten 'Zigeunern' in der Zeit Benjamins" und sei geeignet, "Stereotype und Vorurteile ... eher zu betonen als zu hinterfragen". Man erwarte Vollzugsmeldung. "Bitte informieren Sie die Beauftragte über Ihre Entscheidung." Henryk M. Broder, DER SPIEGEL 18/2004
Gerhard Besier beugte sich dem Druck: sein geplantes Buch über Scientology wird nicht veröffentlicht. Während seines Direktorats beim Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung werde er über keine religiösen Minoritäten mehr forschen. Siehe dazu den nachfolgenden Bericht.
SZ, 28.10.2003, S.13. Vergleiche dazu zensurLeserbrief Prof. Dr. Hubert Seiwert, Universität Leipzig
Gerhard Besier, der Direktor des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung (HAIT), muss „sehr vorsichtig“ sein. Am 22.10.2003 beschloss das siebenköpfige Kuratorium – Vorsitz: Uwe Grüning, MdL, CDU – Gerhard Besier künftig genauer zu beobachten. Besier hatte Mitte September die Scientology als eine Vorkämpferin für Toleranz gewürdigt. Besier will in einem Buch die „religionspolitische Ausgrenzung“ der Organisation kritisieren (Scientology Benachteiligung und Verfolgung von Scientology). Besier musste sich verpflichten, „bei allen Äußerungen in der Öffentlichkeit und in wissenschaftlichen Zusammenhängen seiner Verantwortung für das Renommee des Instituts und seiner Mitarbeiter gerecht zu werden.“ Das Buch mit dem Arbeitstitel Die Church of Scientology entstand als Besier 1992 bis 2003 den Lehrstuhl für Historische Theologie und Konfessionskunde an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg inne hatte. Es sei daher das Werk eines C4-Professors und falle unter die Freiheit der Wissenschaft. „Da haben wir keine Handhabe“, erklärte Uwe Grüning. Im nächsten Jahr soll Besiers Buch erscheinen. SZ, 24.10.2003, S.13
Eine ehrenwerte Gesellschaft. Die Bankgesellschaft Berlin des Journalisten Mathew D. Rose darf jetzt ohne Schwärzungen von Passagen wieder erscheinen. Das Oberlandesgericht Nürnberg gab einer Berufung des Autors statt (AZ : 3U2270/03). taz 26.9.2003
Das Landgericht Nürnberg hat einem Antrag des Ex-Chefs der Immobilientochter der Bankgesellschaft Berlin (Ibag), Manfred Schoeps, auf einstweilige Verfügung "gegen bestimmte Aussagen" im Buch Eine Ehrenwerte Gesellschaft - Die Bankgesellschaft Berlin von Mathew D. Rose stattgegeben. Die Welt 10. Mai 2003 Bei Amazon nachschauen
Mathew D. Rose. Eine ehrenwerte Gesellschaft. Die Berliner Bankgesellschaft. Transit, 2003. Gebunden, 200 Seiten.Mathew D. Rose Mathew Rose
Das Sachbuch von Udo Ulfkotte: Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern, darf nicht mehr ausgeliefert werden. Auf Antrag der Islamischen Föderation, Berlin, ist der Vertrieb des Buches untersagt. OVB, 7.5.2003
Udo Ulfkotte. Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern. Berlin: Eichborn, 2003. Gebunden, 272 Seiten.Udo Ulfkotte
Der deutsche Zensurfimmel zeigt sich daran, dass in 2007 der renommierte Islamwissenschaftler Henner Kirchner für kirchner Kritik am Buch und Autor hoch bestraft wurde. zensur
Bei Amazon nachschauen
Udo Ulfkotte
Das Erzbischöfliche Ordinariat München ist ein gerichtsfreudigstes Religionsbüro (zusammen mit Scientology). Es erwirkte eine einstweilige Verfügung beim Landgericht München gegen den Patmos-Verlag, Düsseldorf. Der Patmos-Verlag stoppte daraufhin die Auslieferung von Wir sind Priesterinnen. Der Verlag wurde gezwungen, die Behauptung, Ende Juni 2002 seien "Frauen von römisch-katholischen Bischöfen zu Priesterinnen geweiht worden", zu unterlassen. Der Verlag verzichtet bisher auf eine Ausweitung des Rechtsstreites, zumal in den ersten Wochen bereits die Hälfte der Auflage (10.000 Exemplare) verkauft gewesen sei. Quelle: ForsterDer Deutsche Katecheten-Verein e.V. (DKV). Das Gegenteil ist der Fall: Frauen werden in der katholischen Kirche weiterhin diskriminiert. – Amazon liefert noch oder wieder aus.
Werner Ertel, Gisela Forster (Herausgeber). "Wir sind Priesterinnen". Aus aktuellem Anlass: Die Weihe von Frauen. Düsseldorf: Patmos, 2002. Broschiert, 208 Seiten. Forster

Bei Amazon nachschauen
Werner Ertel, Gisela Forster
Der Katalog der Ausstellung "Black Low" des norwegischen Aktionskünstlers Bjarne Melgaard in der Herforder Marta Galerie wurde auf den Index jugendgefährdeter Schriften gesetzt. Der Katalog darf weder im Buchhandel ausgelegt noch an Jugendliche verkauft werden. Begründung der Zensur: "Aneinanderreihung einer Vielzahl von Gewaltdarstellungen, die an Leichengalerien im Internet erinnern". SZ, 3.8.2002, S.11
Die Aufregung um das noch unveröffentlichte Manuskript "Tod eines Kritikers" von Martin Walser führte zu ersten Zensurforderungen. Marcel Reich-Ranicki, Literaturkritiker, forderte im Focus den Suhrkamp-Verlag auf, das Buch nicht zu veröffentlichen. SZ, 3.6.2002, S.13 Doch der Suhrkamp Verlag beugt sich nicht und wird den Roman veröffentlichen. SZ, 6.6.2002, S.1
Ein Redakteur der Zeitschrift Hunsrück-Forum wird vom Amtsgericht Simmern wegen eines Berichts über die Volkszählungs-Boykottinitiative Kastellaun zu 3.000 DM Geldstrafe verurteilt. Hörfunk - Fernsehen - Film 1988, 1 S.49
Im Oktober 1988 wurden Hunderte von Buchhandlungen durchsucht und das Sachbuch Pieter Bakker Schut: das info. Briefe von Gefangenen aus der RAF 1973-1977 beschlagnahmt. Hörfunk - Fernsehen - Film 1988, 1 S.49
1988 wurden Antikriegsdemonstranten wegen eines Brecht-Gedichts zu 18 Monaten Haft verurteilt.
Pflichtlektüre (sozusagen die kontradiktische Anti-Zensur) für Politiker: Angela Lübbe/Ralf Schleiff: "Nicht zensieren, sondern rezensieren...". Gibt's massenweise: Rezensionen, sortiert nach Autor/in
1994 wurde das Geschichtsbuch von Dr. Peter Kock Die Geschichte des modernen Bayern im 19. und 20. Jahrhundert "eingezogen".
Der Ministerialrat im Bundeskanzleramt Wolfgang Hetzer wurde mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Ursache: Er schrieb den Aufsatz "Polizeibehörde oder Geheimdienst?" im Fachblatt Der Kriminalist, Heft 1 Januar 2002; der Artikel ist nicht online (Zitat aus der zum Jobverlust führenden Kritik). Darin zitierte Hetzer aus der Biografie des Journalisten Reinhold Michels über Otto Schily, SPD, der jenen als Bummelstudent bezeichnete, der beim ersten juristischen Staatsexamen zunächts gestrauchelt sei. Der zweite Anlauf zur Referendarprüfung sei Schily nur mit Mühe gelungen.
Das Buch aus dem zitiert wurde und das Wolfgang Hetzer den Job kostete, gibt es im Buchhandel.
  Bei Amazon nachschauen
Reinhold Michels: Otto Schily. Eine Biographie. Deutsche Verlags-Anstalt, 2001. Gebunden, 250 SeitenReinhold Michels Otto Schily Michels
Als Kämpfer gegen die freien Medien entpuppt sich Benjamin von Stuckrad-Barre. Er startete juristische Aktionen gegen die Berliner Stadtzeitschrift 030, gegen den Internet-Dienst Thema1 und gegen die Satirezeitschrift Titanic. Damit stellt sich der junge Autor in eine Reihe mit Bischof Dyba (aus Fulda, inzwischen verstorben), Haribo, Helmut Markwort von Focus und McDonalds. SZ, 18.7.2001, S.19
SZ: "Und Hitlers Mein Kampf? Ist es strafbar, wenn man das Buch im privaten Bücherregal stehen hat?" Oberstaatsanwalt Manfred Wick: "Mein Kampf ist unter Umständen strafbar als Volksverhetzung aufgrund der volksverhetzenden Ansichten , die darin verbreitet werden. Es kommt auch hier darauf an, ob das Buch weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird. Wenn es nur im Regal steht, ist es kein Anlass zum Einschreiten der Staatsanwaltschaft." SZ, 29.6.2001, S.46
Bei amazon nachschauen:
Hubertus Knabe. Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien.
Berlin: Propyläen, 2001. Gebunden, 340 Seiten.
Das Hamburger Landgericht untersagt dem Autor Hubertus Knabe die in seinem Buch Der diskrete Charme der DDR gemachte Aussage: "Dass die DDR bei diesem, mit vielen Interna gespickten (von Manfred Bissinger verfassten und vom Stern im November 1967 unter der Überschrift die "Axel-Springer-Story" veröffentlichten) Artikel ihre Finger im Spiel hatte, ist nicht auszuschließen." SZ, 3.5.2001, S.23
Im Streit des Historikers Hubertus Knabe gegen die sogenannte Gauck-Behörde, deren wissenschaftlicher Mitarbeiter Knabe einst war, entschied das Arbeitsgericht Berlin, Schöneberg: Die Behörde darf die Publikation aus ihrem Archiv prüfen, Streichung oder Umformulierung von Passagen vorschlagen, aber nicht die Publikation verhindern. Süddeutsche Zeitung, 23.3.2001, S.13
Die BStU, Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, sog. Gauck-Behörde hat durch eine einstweilige Verfügung die Veröffentlichung von "Der diskrete Charme der DDR" von Hubertus Knabe, einem langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter der Behörde, untersagt. Süddeutsche Zeitung, 16.3.2001, S.10
zensur Neue Bücher rund um die SpionageHubertus Knabe Weitere Bücher von Hubertus Knabe
Bei amazon nachschauen:
Claudia Gehrke, Uve Schmidt. Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik. Bd.15.
Tübingen: Konkursbuch. Taschenbuch - 255 Seiten
Verlegerin Claudia Gehrke stand wegen des Buches Mein heimliches Aug., Das Jahrbuch der Erotik. Bd.15 vor Gericht. Sie hatte gegen einen Strafbefehl (Verbreitung von pornographischen Schriften) Einspruch erhoben und erreichte einen Freispruch für das Buch. Die Pressefreiheit muss man sich vor Gericht immer wieder erstreiten. Dafür wurde sie für ein Video zu einer Geldstrafe verknackt. Der Spiegel 11/2001, S.219
Ellis Die Zensur des Romans American Psycho von Bret Easton Ellis in Deutschland wurde vom Oberverwaltungsgerichtshof Münster aufgehoben. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hatte den Roman im Januar 1995 indiziert. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch klagte daraufhin gegen die Indizierung. Der Roman darf wieder offen im Buchhandel angeboten werden. Er war seit Januar 1995 für Jugendliche zensiert. Süddeutsche Zeitung, 1.3.2001, S.15
EllisBret Easton Ellis. American Psycho. London: Macmillan, 2000
Die Postbank AG kündigte aus politischen Gründen mit Schreiben vom 5.1.2001 der Berliner Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT das Hauptgeschäftskonto. Dies bedeutet für die kleine Zeitung eine Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz. Die Postbank ist weitgehend in Staatsbesitz. Der Staat will sich so eines unbequemen Presseorgans entledigen. Anzeige Süddeutsche Zeitung, 1.2.2001, S.8
Die Dezember-Ausgabe des Frauenmagazins Vogue wurde zensiert. Wegen sechs Farbfotos von nackten Kindern darf es nicht an Jugendliche unter 18 Jahre verkauft werden. Süddeutsche Zeitung, 9.Dezember 1999, Seite 16.
"Adolf Hitlers antisemitische Hetzschrift 'Mein Kampf' gehört zu den Büchern, die in Deutschland nur zu wissenschaftlichen Zwecken gelesen werden dürfen. Es steht auf dem Index der verbotenen Bücher ganz oben." Das Urheber- und Verlagsrecht stehen dem bayerischen Staat zu. Edmund Stoiber als Copyrightverwalter von Mein Kampf! Süddeutsche Zeitung 10.+11.August 1999 – Der bayerische Staat versucht die Verbreitung der Kampfschrift auf der ganzen Welt zu verhindern. Süddeutsche Zeitung, 21.2.2001, S.8
Martin Roda Bechers Erzählung "Hummerpark" darf nicht erscheinen. OLG Frankfurt.
Süddeutsche Zeitung, 28.Mai 1999, Seite 17
Das Buch "Sorge dich nicht, lese!"
wurde auf Veranlassung des Scherz-Verlags (das ist kein Scherz!) zensiert.
Unter dem neuen Titel "Fürchte dich nicht, lese!" könnt ihr dieses herrliche Buch aus der Edition Tiamat, Berlin (Rezension von Joseph von Westphalen in der Süddeutschen Zeitung vom 27.11.1998) in jeder Buchhandlung kaufen. Schlappe 28 DM als Protest gegen die Zensur!
Hinweis 1: "Lese!" ist falsch, es muß "Lies!" heißen.
Hinweis 2: 13.3.2003: derzeit ist das Buch vergriffen.
Gericht verbietet das Buch "Undercover"
Wieder schlägt die deutsche Zensur zu: Das Buch "Undercover", Verlag Kiepenheur&Witsch wurde durch das Landgericht Berlin verboten. Grund: der ehemalige Bild-Chef Peter Boenisch und 230 weitere Journalisten werden als als Spione entlarvt. Süddeutsche Zeitung, 19.9.1998, Seite 19
Polizei durchsucht Verlag wegen eines Buches von Ex-Spion
Am Montag den 31.August 1998 durchsuchte die Polizei die Räume der Verlagsgesellschaft Das Neue Berlin. Zensiert wurde ein Buch des ehemaligen Verfassungsschützers Hans-Joachim Tiedge. Süddeutsche Zeitung, 1.9.1998
Anklage gegen Comics-Verlag
Wieder einmal schlagen die Zensurbehörden in Thüringen zu. Gegen den Verlag "Edition Kunst der Comics GmbH" wurde wegen Verbreitung gewaltverherrlichender und pornographischer Comics Anklage erhoben. Das Grundgesetz ist auch in Thüringen unbekannt, dort heißt es klipp und klar: "Eine Zensur findet nicht statt." (Artikel 5) Münchner Merkur, 28.8.1998, Seite 16
Januar 1966. Die deutsche Post verweigerte den Versand der Zeitschrift "total". Grund: Zeichnung einer nackten Frau auf dem Titelblatt. SZ, 28.3.2001, S.60 (mit Abbildung)
zensur Anfang

Literaturzensur in Deutschland mit Grundgesetz,Zensur,Stoiber,Hitler,Mein Kampf
Emailzurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.10.2012