| Literaturzensur
in Deutschland "Bald jeder Narr weiß inzwischen, daß die Selbstzensur das eigentliche Problem der Zensur ist. Die Selbstzensur macht die Zensur, den Eingriff von außen, überflüssig. Funktioniert sie total, kommt die Zensur denkgesetzlich gar nicht mehr vor. Der Verfassungssatz »Eine Zensur findet nicht statt« würde formal voll erfüllt, weil eine Notwendigkeit zum Eingriff gar nicht mehr vorkommt." Klaus Staeck, Rechtsanwalt, Plakatemacher: Mut zur Meinung, 1980, zitiert nach Bernd Ogan, Hg. Literaturzensur in Deutschland, Stuttgart 1988. |
| Im Rampenlicht wenn's nützt, ansonsten droht Klage Die Hamburger Morgenpost berichtete über die ARD-Moderatorin Monica Lierhaus. Diese klagte dagegen und bekam recht. Das Hamburger Landgericht wertete die Persönlichkeitsrechte der im Rampenlicht stehenden Moderatorin höher als Artikel 5 mit Meinungs- und Pressefreiheit. Die Hamburger Morgenpost muss 25.000 Euro Entschädigung zahlen. SZ, 19.1.2010, S. 15 - Da ich eine Klage oder gar Abmahnung scheue linke ich nicht direkt auf den Webauftritt der Moderatorin sondern gebe nur die URL in Worten: dreimal w, Punkt, monica minus lierhaus, Punkt, de. |
| Der
Freistaat Bayern unterliegt mit seiner Zensur von NS Schrifttum Der Staat Bayern hat das Copyright an vielen NS-Schriften. Er widersetzte sich bislang einer kritischen Aufbereitung und Veröffentlichung. Damit wurde den Rechtsradikalen zugearbeitet, die das Veröffentlichungsverbot für ihre Zwecke ummünzten. Das Münchner Landgericht gestattete nun Faksimiles vom Völkischen Beobachters und vom Angriff zu drucken und in Deutschland zu verkaufen. Allerdings nur Pressewerke bis 1939, da das deutsche Copyright eine 70 Jahresfrist kennt. SZ, 26.3.2009, S. 5 |
| Die Wochenzeitung Junge
Freiheit (JF) setzte sich mit ihrem unfreiheitlichen
Zensurbegehren gegen den Evangelischen
Pressedienst (epd) nicht
durch. Das OLG Frankfurt bewertete das Grundrecht auf Meinungsfreiheit
höher als den Dünkel der Wochenzeitung Junge Freiheit. Der
epd darf weiterin eine Meinung des Politikers Alfred
Hartenbach, SPD, über die JF verbreiten. SZ, 27.2.2009, S. 15 |
| Die
Schauspielerin Jessica
Schwarz setzte eine Zensur gegen die Frankfurter Rundschau
durch. Die Zeitung darf nicht mehr behaupten, dass die Schauspielerin
Bestimmtes (wird hier nicht wiederholt, sonst kann ich abgemahnt
werden) über den Regisseur Heinrich
Breloer gesagt habe. Die FR- Online brachte am 30.12.2008
eine Richtigstellung. SZ, 31.12.2008, S. 19
|
| Wieder
wurde in Deutschland ein Buch zensiert Georg Herbstritt: Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage. Eine analytische Studie aus dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht darf nicht ausgeliefert werden. Ein Ehepaar sah seine Persönlichkeitsrechte verletzt und schwupp wurde das Buch durch eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg zensiert. SZ 22.2.2008, S. 16 |
| Darf nicht mehr ausgeliefert werden! | |
|
|
| Besprechungen: |
|
|
Woanders
werden Die satanischen Verse und der Film "Da Vinci
Code" verteufelt, in Deutschland trifft es Autoren von
Kinderbüchern. Anfang Juni 2007 forderte Edmund Stoiber, CSU, bekannt für seine intoleranten Stammtischreden, eine Verbannung der Bücher des Kinderbuchautors Janosch – „falscher Prophet“ – aus den Kinderzimmern. Dies zeigt u.a.
Der Kinderbuchautor Janosch ließ sich nicht einschüchtern und übertrug seine gesamten Werkrechte auf die Giordano Bruno Stiftung. Er empfand den Angriff gerade von Stoiber als besonders ehrenvoll: „Ich habe mich unglaublich gefreut, von einem so enorm ‚schwergewichtlichen' Politiker wie Herrn Sträuber überhaupt wahrgenommen und damit wohl als bedeutend anerkannt zu werden.“ |
|
| Die
Razzia in der Redaktion des Magazins
Cicero
in Potsdam im September 2005 war verfassungswidrig! Das Grundrecht der
Pressefreiheit wurde dabei verletzt, urteilte das
Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe: Az. 1 BvR 538/06,
1045/06. SZ, 28.2.2007, S. 1, 2 So ein nachträgliches Urteil hat nur symbolischen Wert. Der verfassungsverletzende Innenminister Otto Schily (auch sonst ein mehrfacher Das Pikante an solchen Aktionen: es werden nicht die undichten Geheimnisträger belangt (also der oder die Verursacher für den vermuteten Geheimnisverrat) sondern die sogenannte "freie" Presse wird durchsucht und oft angeklagt. |
|
| Der
Satirezeitschrift Titanic wurde es untersagt, das
neueste Heft vom 4.7.2006 zu vertreiben. Der SPD Vorsitzende und
Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Kurz
Beck erwirkte
diese Zensur. Er wird auf dem Titel der Titanic
abgebildet, ausserdem die Schlagzeilen (auf den kürzlich
geschossenen Bären in Bayern abzielend): "Problembär
außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!". Beck folgerte
anscheinend, dass mit Bestie er gemeint sei und erwirkte eine
einstweilige Verfügung. SZ, 4.7.2006, S. 15; |
|
| Das Bundesfamilienministerium stellte bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien einen Zensurantrag gegen Autonome in Bewegung, das bereits 2002 erschienen ist. Das Ministerium beanstandet an diesem historischen Überblick der autonomen Szene in Berlin seit 1980 (Hausbesetzungen, Aktionen zum IWF- Gipfel 1988, Anti-AKW Kampagnen usw) vor allem Zitate. |
| Bei Amazon nachschauen | Der Verlag junge Welt 23.05.2006, S. 13 |
![]() |
| Jörg
Ziercke, BKA, und Otto Schily, SPD, stehen mitten in einem Skandal um
die verletzte Pressefreiheit. Hintergrund der Affäre um das
Magazin Cicero (siehe nachfolgenden Eintrag) ist ein vermutetes "Leck"
im BKA. Statt nun (das würde wohl jeder Vernünftige
tun) im BKA zu suchen, wurde eine private Redaktion durchsucht.
Ziercke: "Ich dulde keine Form des Geheimnisverrats beim BKA." 200
BKA-Personen hatten Zugriff auf die Unterlagen, von deren Sachverhalte
das Magazin Cicero berichtete. SZ,
14.10.2005, S. 4, 6; SZ, 15.10.2005, S. 10.
|
| Die
Staatsanwaltschaft durchsuchte die Redaktion des politischen Magazins Cicero
(Cicero - Magazin
für politische Kultur) und die Wohnung
des Cicero-Redakteurs Bruno
Schirra auf der Suche nach der Quelle
für einen Bereicht über al-Kaida. SZ,
13.9.2005, S.19 und 14.9.2005, S. 35 Bruno Schirra machte
sich einst unbeliebt, da er den Leuna-Skandal untersuchte ( |
| Claudia
Martini, Referentin der Beauftragten der
Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und
Integration Marieluise Beck,
erklärte Rainer
Moritz, Chef des Hamburger Verlags Hoffmann und
Campe, die Aufgaben ihrer Behörde. Eines der Ziele sei es, "zu
einem spannungsfreien Zusammenleben zwischen Zuwanderern und
Einheimischen, zwischen Minderheiten und Mehrheiten beizutragen".
Deswegen müsse "empfohlen" werden, von einer weiteren
Veröffentlichung der Benjamin-CD ( |
| Gerhard
Besier beugte sich dem Druck: sein geplantes
Buch über Scientology
wird nicht veröffentlicht. Während seines Direktorats
beim Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung werde
er über keine religiösen Minoritäten mehr
forschen. Siehe dazu den nachfolgenden Bericht. SZ, 28.10.2003, S.13. Vergleiche dazu |
| Gerhard Besier, der
Direktor des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für
Totalitarismusforschung (HAIT), muss „sehr
vorsichtig“ sein. Am 22.10.2003 beschloss das
siebenköpfige Kuratorium – Vorsitz: Uwe
Grüning,
MdL, CDU – Gerhard Besier künftig genauer zu
beobachten. Besier hatte Mitte September die Scientology als eine
Vorkämpferin für Toleranz gewürdigt. Besier
will in einem Buch die „religionspolitische
Ausgrenzung“ der Organisation kritisieren ( |
| Eine ehrenwerte Gesellschaft. Die Bankgesellschaft Berlin des Journalisten Mathew D. Rose darf jetzt ohne Schwärzungen von Passagen wieder erscheinen. Das Oberlandesgericht Nürnberg gab einer Berufung des Autors statt (AZ : 3U2270/03). taz 26.9.2003 |
| Das Landgericht Nürnberg hat einem Antrag des Ex-Chefs der Immobilientochter der Bankgesellschaft Berlin (Ibag), Manfred Schoeps, auf einstweilige Verfügung "gegen bestimmte Aussagen" im Buch Eine Ehrenwerte Gesellschaft - Die Bankgesellschaft Berlin von Mathew D. Rose stattgegeben. Die Welt 10. Mai 2003 | Bei Amazon nachschauen |
| Mathew
D. Rose. Eine ehrenwerte Gesellschaft. Die Berliner
Bankgesellschaft. Transit, 2003. Gebunden, 200 Seiten. |
![]() |
| Das
Sachbuch von Udo Ulfkotte: Der Krieg in unseren
Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern,
darf nicht mehr ausgeliefert werden. Auf Antrag der Islamischen
Föderation, Berlin, ist der Vertrieb des Buches untersagt. OVB, 7.5.2003 Udo Ulfkotte. Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern. Berlin: Eichborn, 2003. Gebunden, 272 Seiten. Der deutsche Zensurfimmel zeigt sich daran, dass in 2007 der renommierte Islamwissenschaftler Henner Kirchner für |
Bei Amazon
nachschauen![]() |
| Das
Erzbischöfliche
Ordinariat München ist ein
gerichtsfreudigstes Religionsbüro (zusammen mit Scientology). Es
erwirkte eine einstweilige Verfügung beim Landgericht
München gegen den Patmos-Verlag, Düsseldorf. Der
Patmos-Verlag stoppte daraufhin die Auslieferung von Wir sind
Priesterinnen. Der Verlag wurde gezwungen, die Behauptung,
Ende Juni 2002 seien "Frauen von römisch-katholischen
Bischöfen zu Priesterinnen geweiht worden", zu unterlassen.
Der Verlag verzichtet bisher auf eine Ausweitung des Rechtsstreites,
zumal in den ersten Wochen bereits die Hälfte der Auflage
(10.000 Exemplare) verkauft gewesen sei. Quelle:
Der
Deutsche Katecheten-Verein e.V. (DKV). Das
Gegenteil ist der Fall: Frauen werden in der katholischen Kirche
weiterhin diskriminiert. – Amazon liefert noch oder wieder
aus. Werner Ertel, Gisela Forster (Herausgeber). "Wir sind Priesterinnen". Aus aktuellem Anlass: Die Weihe von Frauen. Düsseldorf: Patmos, 2002. Broschiert, 208 Seiten. |
Bei Amazon nachschauen ![]() |
| Der
Katalog der
Ausstellung "Black Low" des norwegischen Aktionskünstlers Bjarne Melgaard in
der Herforder Marta Galerie
wurde auf den Index jugendgefährdeter Schriften gesetzt. Der
Katalog darf weder im Buchhandel ausgelegt noch an Jugendliche verkauft
werden. Begründung der Zensur: "Aneinanderreihung einer
Vielzahl von Gewaltdarstellungen, die an Leichengalerien im Internet
erinnern". SZ, 3.8.2002, S.11
|
| Die Aufregung um
das noch unveröffentlichte Manuskript "Tod
eines Kritikers" von Martin Walser
führte zu ersten Zensurforderungen. Marcel
Reich-Ranicki, Literaturkritiker, forderte im Focus
den Suhrkamp-Verlag auf, das Buch nicht zu veröffentlichen. SZ, 3.6.2002, S.13 Doch der Suhrkamp
Verlag beugt sich nicht und wird den Roman veröffentlichen. SZ, 6.6.2002, S.1
|
| Ein
Redakteur der Zeitschrift Hunsrück-Forum
wird vom Amtsgericht Simmern wegen eines Berichts
über die Volkszählungs-Boykottinitiative Kastellaun
zu 3.000 DM Geldstrafe verurteilt. Hörfunk
- Fernsehen - Film 1988, 1 S.49
|
| Im
Oktober 1988 wurden Hunderte von
Buchhandlungen durchsucht und das Sachbuch Pieter Bakker Schut: das info.
Briefe von Gefangenen aus der RAF 1973-1977
beschlagnahmt. Hörfunk
- Fernsehen - Film 1988, 1 S.49
|
| 1988
wurden Antikriegsdemonstranten wegen
eines Brecht-Gedichts zu 18 Monaten Haft verurteilt.
|
| Pflichtlektüre
(sozusagen die kontradiktische Anti-Zensur) für Politiker: Angela
Lübbe/Ralf Schleiff: "Nicht zensieren, sondern rezensieren...".
Gibt's massenweise: Rezensionen,
sortiert nach Autor/in
|
| 1994
wurde das Geschichtsbuch von Dr. Peter Kock Die Geschichte
des modernen Bayern im 19. und 20. Jahrhundert "eingezogen".
|
| Der Ministerialrat im Bundeskanzleramt Wolfgang Hetzer wurde mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Ursache: Er schrieb den Aufsatz "Polizeibehörde oder Geheimdienst?" im Fachblatt Der Kriminalist, Heft 1 Januar 2002; der Artikel ist nicht online (Zitat aus der zum Jobverlust führenden Kritik). Darin zitierte Hetzer aus der Biografie des Journalisten Reinhold Michels über Otto Schily, SPD, der jenen als Bummelstudent bezeichnete, der beim ersten juristischen Staatsexamen zunächts gestrauchelt sei. Der zweite Anlauf zur Referendarprüfung sei Schily nur mit Mühe gelungen. |
| Das Buch aus dem zitiert wurde und das Wolfgang Hetzer den Job kostete, gibt es im Buchhandel. |
| Bei Amazon nachschauen | |
| Reinhold
Michels. Otto Schily. Eine Biographie.
Deutsche Verlags-Anstalt, 2001. Gebunden, 250 Seiten |
![]() |
| Als
Kämpfer gegen die freien Medien entpuppt sich Benjamin von Stuckrad-Barre.
Er startete juristische Aktionen gegen die Berliner Stadtzeitschrift 030,
gegen den Internet-Dienst Thema1 und gegen die
Satirezeitschrift Titanic. Damit stellt sich der
junge Autor in eine Reihe mit Bischof Dyba (aus Fulda, inzwischen
verstorben), Haribo, Helmut Markwort von Focus und
McDonalds. SZ, 18.7.2001, S.19
|
| SZ: "Und Hitlers
Mein Kampf? Ist es strafbar, wenn man das Buch
im
privaten Bücherregal stehen hat?" Oberstaatsanwalt Manfred
Wick: "Mein Kampf ist unter Umständen
strafbar als Volksverhetzung aufgrund der volksverhetzenden Ansichten ,
die darin verbreitet werden. Es kommt auch hier darauf an, ob das Buch
weiteren Kreisen zugänglich gemacht wird. Wenn es nur im Regal
steht, ist es kein Anlass zum Einschreiten der Staatsanwaltschaft." SZ, 29.6.2001, S.46
|
| Bei amazon nachschauen: Hubertus Knabe. Der diskrete Charme der DDR. Stasi und Westmedien. Berlin: Propyläen, 2001. Gebunden, 340 Seiten. |
Das Hamburger Landgericht untersagt dem Autor Hubertus Knabe die in seinem Buch Der diskrete Charme der DDR gemachte Aussage: "Dass die DDR bei diesem, mit vielen Interna gespickten (von Manfred Bissinger verfassten und vom Stern im November 1967 unter der Überschrift die "Axel-Springer-Story" veröffentlichten) Artikel ihre Finger im Spiel hatte, ist nicht auszuschließen." SZ, 3.5.2001, S.23 |
| Im Streit des Historikers Hubertus Knabe gegen die sogenannte Gauck-Behörde, deren wissenschaftlicher Mitarbeiter Knabe einst war, entschied das Arbeitsgericht Berlin, Schöneberg: Die Behörde darf die Publikation aus ihrem Archiv prüfen, Streichung oder Umformulierung von Passagen vorschlagen, aber nicht die Publikation verhindern. Süddeutsche Zeitung, 23.3.2001, S.13 |
| Die
BStU,
Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, sog.
Gauck-Behörde hat durch eine einstweilige Verfügung
die Veröffentlichung von "Der diskrete Charme der DDR" von
Hubertus Knabe, einem langjährigen wissenschaftlichen
Mitarbeiter der Behörde, untersagt. Süddeutsche
Zeitung, 16.3.2001, S.10 |
| Bei
amazon nachschauen: Claudia Gehrke, Uve Schmidt. Mein heimliches Auge. Das Jahrbuch der Erotik. Bd.15. Tübingen: Konkursbuch. Taschenbuch - 255 Seiten |
Verlegerin Claudia Gehrke stand wegen des Buches Mein heimliches Aug., Das Jahrbuch der Erotik. Bd.15 vor Gericht. Sie hatte gegen einen Strafbefehl (Verbreitung von pornographischen Schriften) Einspruch erhoben und erreichte einen Freispruch für das Buch. Die Pressefreiheit muss man sich vor Gericht immer wieder erstreiten. Dafür wurde sie für ein Video zu einer Geldstrafe verknackt. Der Spiegel 11/2001, S.219 |
![]() |
Die Zensur des Romans American Psycho von Bret Easton Ellis in Deutschland wurde vom Oberverwaltungsgerichtshof Münster aufgehoben. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hatte den Roman im Januar 1995 indiziert. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch klagte daraufhin gegen die Indizierung. Der Roman darf wieder offen im Buchhandel angeboten werden. Er war seit Januar 1995 für Jugendliche zensiert. Süddeutsche Zeitung, 1.3.2001, S.15 |
| Bret Easton Ellis. American Psycho. London: Macmillan, 2000. Preis: 19,80 DM ISBN 033048477X |
| Die Postbank AG kündigte aus politischen
Gründen mit Schreiben vom 5.1.2001 der Berliner Wochenzeitung JUNGE
FREIHEIT das Hauptgeschäftskonto. Dies bedeutet
für die kleine Zeitung eine Bedrohung der wirtschaftlichen
Existenz. Die Postbank ist weitgehend in Staatsbesitz. Der Staat will
sich so eines unbequemen Presseorgans entledigen. Anzeige
Süddeutsche Zeitung, 1.2.2001, S.8
|
| Die
Dezember-Ausgabe des Frauenmagazins Vogue wurde
zensiert. Wegen sechs Farbfotos von nackten Kindern darf es nicht an
Jugendliche unter 18 Jahre verkauft werden. Süddeutsche
Zeitung, 9.Dezember 1999, Seite 16.
|
| "Adolf Hitlers antisemitische
Hetzschrift 'Mein Kampf'
gehört zu den Büchern, die in
Deutschland
nur zu wissenschaftlichen Zwecken gelesen werden dürfen. Es
steht auf dem Index der verbotenen Bücher ganz oben." Das
Urheber- und Verlagsrecht stehen dem bayerischen Staat zu. Edmund Stoiber
als Copyrightverwalter von Mein Kampf! Süddeutsche Zeitung 10.+11.August 1999
– Der bayerische Staat versucht die Verbreitung der
Kampfschrift auf der ganzen Welt zu verhindern. Süddeutsche
Zeitung, 21.2.2001, S.8
|
| Martin
Roda Bechers
Erzählung "Hummerpark"
darf nicht erscheinen. OLG Frankfurt. Süddeutsche Zeitung, 28.Mai 1999, Seite 17 |
| Das
Buch "Sorge dich nicht, lese!" wurde auf Veranlassung des Scherz-Verlags (das ist kein Scherz!) zensiert. Unter dem neuen Titel "Fürchte dich nicht, lese!" könnt ihr dieses herrliche Buch aus der Edition Tiamat, Berlin (Rezension von Joseph von Westphalen in der Süddeutschen Zeitung vom 27.11.1998) in jeder Buchhandlung kaufen. Schlappe 28 DM als Protest gegen die Zensur! Hinweis 1: "Lese!" ist falsch, es muß "Lies!" heißen. Hinweis 2: 13.3.2003: derzeit ist das Buch vergriffen. |
| Gericht
verbietet das Buch "Undercover" Wieder schlägt die deutsche Zensur zu: Das Buch "Undercover", Verlag Kiepenheur&Witsch wurde durch das Landgericht Berlin verboten. Grund: der ehemalige Bild-Chef Peter Boenisch und 230 weitere Journalisten werden als als Spione entlarvt. Süddeutsche Zeitung, 19.9.1998, Seite 19 |
| Polizei
durchsucht Verlag
wegen eines Buches von Ex-Spion Am Montag den 31.August 1998 durchsuchte die Polizei die Räume der Verlagsgesellschaft Das Neue Berlin. Zensiert wurde ein Buch des ehemaligen Verfassungsschützers Hans-Joachim Tiedge. Süddeutsche Zeitung, 1.9.1998 |
| Anklage
gegen Comics-Verlag Wieder einmal schlagen die Zensurbehörden in Thüringen zu. Gegen den Verlag "Edition Kunst der Comics GmbH" wurde wegen Verbreitung gewaltverherrlichender und pornographischer Comics Anklage erhoben. Das Grundgesetz ist auch in Thüringen unbekannt, dort heißt es klipp und klar: "Eine Zensur findet nicht statt." (Artikel 5) Münchner Merkur, 28.8.1998, Seite 16 |
| Januar 1966. Die deutsche Post
verweigerte den Versand der Zeitschrift "total".
Grund: Zeichnung einer nackten Frau auf dem Titelblatt. SZ, 28.3.2001, S.60 (mit Abbildung)
|