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Andersch, Hans Werner Richter, Hg.: Der Ruf Zensur durch die Siegermächte – |
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mit einer amerikanischen Lizenz gaben Alfred Andersch und Hans Werner
Richter die Zeitschrift „Der Ruf” heraus, deren
erste Nummer am 15. August 1946 erschien. Diese
„Unabhängigen Blätter der jungen
Generation” (Untertitel) waren „ein unbequemes,
oppositionelles, demokratisches” (H. Schwab-Felisch) Organ,
das bald Mißtrauen auf allen Seiten weckte. Es bekannte sich
nicht zur Kollektivschuld, stand den Maßnahmen der
Militärregierung kritisch gegenüber, grenzte sich von
der politischen Linie der Alliierten ab, auch vom orthodoxen Marxismus.
Manche Deutsche sahen im „Ruf” einen neuen
Nationalismus heraufdämmern, die Amerikaner witterten
„Nihilismus", den Sowjets mißfiel die
unabhängige Linkstendenz. „Der Ruf”fand
eine ungeheure Resonanz und hatte in den vier Besatzungszonen mehr als
100000 Abonnenten. Hans Werner Richter: „Ich fühle
mich als Deutscher, ich bin Deutscher, ich kann nicht aus meiner Haut
heraus. Aber ich bin nicht verantwortlich für Hitlers
Verbrechen und für den Chauvinismus vergangener Zeiten. Und
die jungen, heimkehrenden Soldaten sind es ebensowenig, ganz gleich, ob
sie an den Nationalsozialismus geglaubt haben oder nicht. Ich bin auch
nicht bereit, die imperialistischen Ansprüche der
Siegermächte kritiklos hinzunehmen. Wir schreiben
weiter.” „Nihilismus” mochten die
Amerikaner nicht dulden: Die Nummer 17 vom April 1947 wurde nicht mehr
genehmigt, Andersch und Richter verloren die Lizenz. Die Kulturpolitik der Siegermächte bediente sich undemokratischer Mittel, um die Besiegten zur Demokratie zu erziehen. Die Literatur sollte „als ein behördlich zu kalkulierendes Mittel zu, wenn auch ehrenhaften, Zwecken dienen” (Breuer). In seiner „Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland 1945-1948” (1985) schreibt Hermann Glaser: „Eine so krasse Fehlentscheidung wie beim ,Ruf' gehörte freilich zu den Ausnahmen westalliierter Kulturpolitik. Die für die Neuordnung von Presse, Verlagswesen, Erziehung und Theater eingesetzten Offiziere waren meist gebildete, freiheitlich gesonnene, mit deutscher Geschichte und deutschem Geistesleben gut vertraute Persönlichkeiten.” Hans J. Schütz: Verbotene Bücher. Eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller. München: Beck, 1990. Beck'sche Reihe 415. S.183-84. Das Hermann Glaser ist nach einem E-Mail-Bericht im Originalwerk auf S. 133. |
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Jahre 1947 war eigentlich der Kampf der Jungen um eine geistige und
politische Neuordnung unserer zerrütteten Nachkriegswelt schon
verloren, die Wende war schon eingetreten. Sie war eingetreten mit dem
Wechsel in der Herausgeberschaft der Zeitschrift »Der
Ruf« einer Zeitschrift, die, verantwortet von Hans Werner
Richter und Alfred Andersch, in Deutschland eine geradezu sensationelle
Bedeutung gewonnen hatte. Mitten in der härtesten
Besatzungsdiktatur und unmittelbar nach der bedingungslosen
Kapitulation Deutschlands erhoben hier junge Deutsche ihre Stimme und
forderten Gerechtigkeit und Wahrheit und Freiheit. Sie machten das
allgemeine heuchlerische Phrasengedresch von Umerziehung und
Besatzungsdemokratie nicht mit und verlangten mit Nachdruck (wobei sie
keine publizistischen Glacehandschuhe anzogen) nicht nur Gedanken-,
sondern auch Bewegungsfreiheit. Sie brandmarkten die Politik der Sieger
als vorgestrig, als kolonialistisch und als menschenunwürdig,
kurz: als uneuropäisch. Zugleich aber erteilten sie, um allen
Mißverständnissen vorzubeugen, den Revisionisten
unter ihren Landsleuten ebenso deutliche Abfuhren. Und sie wiesen
warnend auf die zukünftige Ost-West-Entwicklung hin, auf die
Teilung Deutschlands und den endgültigen Verlust der
OderNeißeGebiete. Aber die, an deren Adresse diese Warnrufe
gerichtet waren, hielten sich die Ohren zu. Sie ärgerten sich,
sie fühlten sich gestört - und es kam zum Zwist mit
den »Ruf«-Herausgebern Andersch/Richter. Die Entlassung der Herausgeber im März des Jahres 1947 ist ein wichtiger Einschnitt in der deutschen Nachkriegspublizistik. Die entschlossensten Schreiber verloren ihr Sprachrohr, ihre Stimme verlor an Kraft." Hans A. Neunzig, Hg. Lesebuch der Gruppe 47. München: dtv, 1997. 2. Auflg. dtv 12368. S. 45 |
| Links |
| Literatur |
| Arnold, Heinz Ludwig, Hg.: "Der
»Ruf« als Vorläufer der Gruppe 47". In: Die
Gruppe 47. Ein kritischer Grundriß.
München: edition text + kritik, 1987. 2. Auflg. S. 13-79. Schwab-Felisch, Hans, Hg.: Der Ruf. Eine deutsche Nachkriegszeitschrift. München: DTV, 1962. 314 S. dtv 39. Vaillant, Jérôme: Der Ruf, unabhängige Blätter der jungen Generation (1945 - 1949). Eine Zeitschrift zwischen Illusion und Anpassung. München, 1978. 250 S. Harold Hurwitz, Vorwort. Aus d. Franz. übertr. von Heidrun Hofmann (Kap. 4 u. 5) u. Karl Heinz Schmidt (Kap. 1 - 3). Kommunikation und Politik 11 |
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| Hans J. Schütz: Verbotene
Bücher. Eine Geschichte der Zensur von Homer bis Henry Miller.
München: C.H. Beck, 1996. Broschiert, 217 Seiten | ||