| Zensur beim Bayerischen
Rundfunk |
| Filmemacher Christoph Boekel erhielt vom Bayerischen Rundfunk
offiziell einen Auftrag zur Münchner Ausstellung zur Geschichte der
Wehrmacht eine Film zudrehen. Kulturchef des Bayerischen Fernsehen, Walter Flemmer, setzte den Beitrag kurz vorm Schnitt
des Beitrags ab. Die Redaktion von "Capriccio" protestierte beim
Fernsehdirektor Gerhard Fuchs: Dieser
antwortete, Flemmer habe die Absetzung beschlossen, doch er stelle sich voll
und ganz hinter den Entschluß. Boekel warf dem BR öffentlich
"politische Zensur" vor. Walter Flemmer wies den Zensurvorwurf zurück und
kündigte die Zusammenarbeit ganz. Boekel: "Ich glaube schon, daß es
damit zu tun hat, daß die Münchner CSU und Herr Gauweiler sich in
Sachen Wehrmachtausstellung sehr weit aus dem Fenster gelehnt haben. Da
bekanntlich viele führende Mitarbeiter des Bayerischen Fernsehens der CSU
zumindest nahestehen, kann ich mir vorstellen, daß es eine
Übereinkunft gab, das Thema nicht noch höher zu hängen."
|
| Erwin
Huber, CSU, wurde seine Auffassung ausgeredet, die CSU müsse
durch Quotenvorgaben in TV und Rundfunk weitere Zensur ausüben. Er meint
nun, "dass künstlerische Qualität keine Zwangsquote braucht",
SZ, 8.4.2005, S. 37 und: "Das wäre der
falsche Weg. Es passt nicht in eine freie Gesellschaft", SZ, 8.4.2005, S. 45. Da hat Huber fast recht; nur sein
"wäre" ist beschönigt, es muss heißen: "Das war der falsche
Weg". |
| Interview mit BR
Hörfunkdirektor Johannes Grotzky
über Quoten im Rundfunk. Grotzky: "Ich bin ein heftiger Gegner jeder gesetzlichen Quote. Wo sind die Grenzen? Welcher Bereich soll erfasst, welcher ausgenommen werden?" Senta Krasser, Süddeutsche Zeitung: "Ihre Kollegen beim WDR oder NDR sehen das ähnlich?" Grotzky: "Nach meinem Wissen gibt es in keiner öffentlich-rechtlich Rundfunkanstalt und bei keinem Privatsender Verständnis dafür, dass Musik gesetzlich quotiert werden soll." SZ, 10.9.2004, S. 15 |
| Damals ... | Heute |
Kommt die Polente |
Hört die Partei duddeln wir Volkstümmelei. Ist sie wieder weg, dann swingen wir Tiger Rag. |
| Quote für deutschsprachige Musik beim
BR Auf Druck von Erwin Huber, CSU, hat der Bayerische Rundfunk mehr deutschsprachige Musik in sein Programm genommen. BR Hörfunkdirektor Johannes Grotzky gesteht: Bei vielen Hörern kommt dies nicht gut an. Trotzdem will sich der BR der CSU gehorchen. Stellvertretende BR Sprecherin Regine Fenn: "Wie werden einen langen Atem beweisen." OVB, 25. 3.2004, S.1 Diese "Vereinbarung" ist aus verschiedenen Gründen bedauernswert.
|
| April 1999: Der Bayerische Rundfunk wird 50 Jahre alt. Die Süddeutsche Zeitung titelt: "Im Würgegriff der Partei hat er sich blamiert..." |
Die nachfolgenden Fakten aus: Süddeutsche
Zeitung, 10.April 1999, Seite 20
|