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Stephan Kellner Giftschrank
Stephan Kellner (Hg.). Der »Giftschrank«. Erotik, Sexualwissenschaft, Politik und Literatur – »REMOTA«: Die weggesperrten Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek
München: Bayerische Staatsbibliothek, 2002. 224 Seiten
Die Bayerische Staatsbibliothek präsentierte in 2002 die Ausstellung: Der Giftschrank. "Remota": Die weggesperrten Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek. Dazu ist dieser ausführliche Bildband das Ausstellungsbegleitbuch. Allerdings ist er um zahlreiche Textbeiträge angereichert.
In der Ausstellung wurde eine Auswahl jener Drucke gezeigt, die zu bestimmten Zeiten vom allgemeinen Bestand abgesondert wurden (und noch sind). Dazu zählt man Erotisches, Sexualwissenschaften, politische Literatur oder streng vertrauliche Veröffentlichungen (beispielsweise Fahndungsbücher der Polizei). Der lateinische Begriff "Remota" lässt sich mit "Weggeschafftes" oder "weit Entferntes" übersetzen.
Schwerpunkte des Begleitbandes Der »Giftschrank« sind
  • erotische und sexualwissenschaftliche Werke
  • politische Literatur nach dem Ersten Weltkrieg, Exilliteratur, Jahre 1933-45
  • Die "Erotische Bibliothek" des bayerischen Finanzbeamten Franz von Krenner (1762-1818), von König Max I. Joseph für die damalige Hofbibliothek erworben
  • Drucke, die von vornherein nicht uneingeschränkt für die Öffentlichkeit gedacht waren: das "Landes-Kriminalblatt Bayern", Fahndungsbücher der Polizei oder Sendemanuskripte des Bayerischen Rundfunks; darunter auch von Volker Heinz: Worte des Vorsitzenden Franz Josef. Selbstporträt eines nationalen Führers gestaltet aus seinen eigenen Werken.
  • die zahlreichen und umfangreichen Textbeiträge, sowohl als extra Aufsätze, als auch Objekterläuterungen (bei weitem ausführlicher als in der Ausstellung).
Ausstellung und Buch zeigen wie lächerlich die Zensur im Laufe der Jahrhunderte wirkt. Was vor Jahrzehnten noch weggesperrt wurde, zählt heute zu den Klassikern; was als sittenschädlich galt, erregt heute keine Grundschüler mehr. Ähnlich wird es den derzeit zensierten Werken ergehen.
giftschrank
© Bayerische Staatsbibliothek. Abbildung dank freundlicher Erlaubnis
Leider kommt die Zeit nach 1945 – und es wurde wahrlich fleissig zensiert – etwas zu kurz. Allerdings werden, denke ich, nicht mehr alle zensierten Werke innerhalb der Staatsbibliothek weggesperrt.
sittenroman Hier ein Beispiel von 1951. Viele Reklameflächen in Stadt und Land bieten heute mehr. Interessant ist das unter Remota V weggesperrte Buch von Volker Heinz: Worte des Vorsitzenden Franz Josef. Selbstporträt eines nationalen Führers gestaltet aus seinen eigenen Werken. Es umfasst Zitate des CSU Politikers aus den Reden von 1956-72, aus dem Bayernkurier (das bayerische Neue Deutschland) und aus Interviews. Es wurde zensiert!
Der Katalog, der hier besprochen wird, sollte nicht mit: Eberhard Kronhausen, Phyllis Kronhausen. Bücher aus dem Giftschrank. Eine Analyse der verbotenen und verfemten erotischen Literatur. München: Scherz, 1982, verwechselt werden.
Stephan Kellner (Hg.). Der »Giftschrank«. Erotik, Sexualwissenschaft, Politik und Literatur – »REMOTA«: Die weggesperrten Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek. München: Bayerische Staatsbibliothek, 2002. 224 Seiten giftschrank

Stephan Kellner Giftschrank
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 20.10.2002