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Warburton
Nigel Warburton: Free Speech. A Very Short Introduction
Oxford: Oxford UP, 2009. 115 Seiten – Warburton LinksWarburton Literatur
Wenn man das Thema Redefreiheit und Meinungsfreiheit auf 115 Seiten behandeln kann, dann ist dieses Buch die richtige (einzige?) Wahl.
Nigel Warburton findet die richtige Mischung aus historischem Überblick (ergänzt durch eine zweiseitige Zeittafel) und Bezug (Platon, John Stuart Mill) und aktuellen Themen (Internet, Urheber recht). Dabei spart er heikle Gebiete (Hassreden, Pornografie, Pädophilie) nicht aus, sondern gibt ihnen das vierte der fünf Kapitel.
Wichtig erscheint mir Warburtons Grundhaltung, dass Rede- und Meinungsfreiheit einen Wert per se haben, dieser freilich gegen andere Werte abgewägt werden muss. Der Autor drückt dabei – zurecht – auf die Waage zugunsten der Rede- und Meinungsfreiheit. Selbst die härtesten Verfechter der Redefreiheit erkennen gewisse Grenzen, diese diskutiert der Autor so, dass sich der Leser eine eigene Meinung dazu bilden kann.
Bekannt ist die Grenze, die der Richter und Autor Oliver Wendell Holmes Jr. aufzeigte: in einem vollbesetzten Theater darf man nicht "Feuer!" schreien.
Warburton
© Nigel Warburton
With kind permission
Einige Gedanken möchte ich herausgreifen.
• Jeder, der den anderen seinen Redefreiheit beschneidet, reklamiert für seine Position Unfehlbarkeit, zumindest in dem Bereich, in dem er dem anderen die Verbreitung dessen Meinung verbieten will (S. 26). Das ist extrem diskussionswürdig. Überzeugungen – gerade im ethischen und religiösen Bereich, um den es oft geht – sind wandelbar.
• Die Abwägung der Rechte muss kontextabhängig erfolgen. Harte Kritik an einer Person oder einer Gruppe mag in einer Zeitung erlaubt sein, vor einer Masse von aufgewühlten Menschen kann sie völlig unangebracht sein (S. 31).
• Was gegenüber Kinder und Jugendlichen angebracht sein mag, ist gegenüber Erwachsenen oft abzulehnender Paternalismus (S. 69).
• Warburton führt gute Gründe an, die Kunst nicht besonders zu privilegieren (S. 76-80).
Leider gestattet es die "sehr kurze Einführung" nicht brandaktuelle Themen beispielsweise zum Internet herauszugreifen. So werden viele einen Urheberschutz zugestehen. Nur wenige werden einsehen, warum – zumindest in Deutschland – sogar einzelne Worte wie "Erdinger", "Senmmelknödel" mit einem Binnen-n oder eine Farbe (ein spezieller Rotton der Telekom) von anderen nicht benützt werden dürfen. Auch manche Schlüsselwörter bei Webseiten sind – zumindest in Deutschland – verboten und können sofort mit hohen Strafen abgemahnt werden.
Die leichte Lesbarkeit durch Verzicht auf Quellenangaben im Text oder Fussnoten bringt es mit sich, dass die Quellenanbagen im Anhang unvollständig sind. So fehlt sie leider zum Zitat von Susan Sontag (S. 77).
Die Rede- und Meinungsfreiheit kann kein unbeschränktes Recht sein. Sie endet dort, wo einzelne oder die Gesellschaft massiv in ihren Rechten beeinträchtigt werden. Allerdings ist sei ein hohes Gut, gerade auch für eine demokratische Gesellschaft: sie beruht auf der Vielfalt der Meinungen und Standpunkte. Daher ist die Grenze extrem weit zu ziehen. Dafür plädiert der Autor und begründet es überzeugend. Sehr empfehlenswert.
Links
WarburtonFree Speech: A Very Short Introduction: 2 minute video
Warburton Sachliteratur zur Zensur
WarburtonFree Speech: A Very Short Introduction
WarburtonReviewed by Jeremy Lott. The Washington Times, 1.5.2009
WarburtonMark Thwaite: Interview with Nigel Warburton
WarburtonJohn Stuart Mill: "On Liberty", 1869
WarburtonPaternalismus
Warburton Nigel Warburton: The Basics of Essay Writing
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Warburton WarburtonNigel Warburton: Free Speech. A Very Short Introduction. Oxford: Oxford UP, 2009. 115 Seiten
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 27.6.2009